Wahnsinn und Gier: id Software von massiven Xbox-Entlassungen schwer getroffen
Die Umstrukturierung von Xbox führt zu einem regelrechten „Blutbad“ bei id Software, bei dem über 73 % der DOOM-Entwickler entlassen werden, was einen massiven Verlust an technischem Know-how zur Folge hat.

Eine brutale Umstrukturierung bei Microsoft
Die Spielebranche durchlebt derzeit eine Welle von Unternehmensumstrukturierungen, und Xbox ist in letzter Zeit zum Epizentrum einer verheerenden Entlassungswelle geworden. Während Microsoft zuvor eine Neuausrichtung seiner operativen Strategie angedeutet hatte, beschreiben ehemalige Mitarbeiter die Realität vor Ort als ein „Blutbad“. Die aggressiven Kostensenkungsmaßnahmen des Unternehmens, angeführt von Führungskräften wie Asha Sharma, betreffen nun einige der renommiertesten Namen der Spielegeschichte.
Obwohl Microsoft in dieser Phase die vollständige Schließung von Studios vermeiden konnte, waren die internen Kürzungen drastisch. Berichten zufolge sollen im Geschäftsjahr 2027 über 3.200 Stellen abgebaut werden, davon 1.600 fast unmittelbar danach. Nach dem schweren Schlag für Obsidian Entertainment hat es nun das legendäre id Software – die Schöpfer der DOOM-Reihe – getroffen.
Die Schwächung von id Software
Laut Daten von Video Games Chronicle sind die Auswirkungen auf id Software katastrophal. Von insgesamt 185 Mitarbeitern wurden sage und schreibe 136 entlassen. Darunter befinden sich 96 Mitarbeiter am Hauptsitz in Texas und 40 Mitarbeiter im Homeoffice. Prozentual gesehen hat Microsoft rund 73,5 % der Belegschaft des Studios entlassen und dem Team damit seine Kernkompetenz und sein institutionelles Wissen genommen.
Der Zeitpunkt dieser Kürzungen ist besonders schockierend, da er mit der Veröffentlichung von DOOM: The Dark Ages Revelations zusammenfällt, einem DLC-Projekt, das über ein Jahr intensive Entwicklungsarbeit und unzählige unbezahlte Überstunden der Mitarbeiter erforderte.
„Jahrzehntelanges Wissen ausgelöscht“: Entwickler äußern sich
Die emotionalen Folgen dieser Entlassungen sind gravierend. Derek Best, ein VFX-Künstler mit zwölf Jahren Erfahrung bei id Software, äußerte sich auf LinkedIn schockiert und verbittert. Best hob den gravierenden Verlust an technischer Kompetenz hervor und merkte an, dass das VFX-Team auf einen einzigen Künstler reduziert wurde, wodurch das Studio ohne Projektleiter oder Produzenten für diese Abteilung dasteht.
Am besorgniserregendsten ist der Verlust spezialisierter technischer Expertise. Best enthüllte, dass alle Entwickler mit Kenntnissen in Houdini – einer Schlüsselsoftware für prozedurale Modellierung und zwischengespeicherte Animationen – entlassen wurden. Das bedeutet, dass ein Großteil der grundlegenden Arbeit an DOOM: The Dark Ages, die mit dieser Software geleistet wurde, nun verloren sein könnte, da im Studio niemand mehr in der Lage ist, diese spezifische Pipeline fortzuführen oder zu pflegen.
Ein anderer ehemaliger Mitarbeiter, Todd Boyce, beschrieb die Situation als Ausdruck von „betrieblichem Wahnsinn und niederträchtiger Gier“. Boyce kritisierte das Unternehmen scharf für seine völlige Missachtung der Entwickler, die ihre Freizeit geopfert hatten, um die Deadlines einzuhalten, und bezeichnete den Zeitpunkt und die Methodik der Entlassungen als „beleidigend“ für die Marke id Software.
Die Zukunft der DOOM-Reihe
Das Ausmaß dieser Kürzungen hat die verbliebene Kernbelegschaft in eine ungewisse Lage gebracht. Ein ehemaliger Mitarbeiter sagte gegenüber GamesBeat, dass man zwar mit gewissen Schwankungen gerechnet habe, aber niemand mit einem Massaker dieses Ausmaßes. Der Wandel von id Software von einem führenden Entwicklungsstudio zu einem sogenannten „Support-Studio“ wirft ernsthafte Fragen hinsichtlich Microsofts langfristiger Vision für die Marke auf.
Die Tragödie bei id Software verdeutlicht der Branche die Volatilität der aktuellen AAA-Spielelandschaft, in der kreative Brillanz oft hinter den Unternehmensbilanzen zurücksteht.