Versteckte Krise: WHO warnt, dass der Ebola-Ausbruch in der DR Kongo doppelt so hoch ausfallen könnte wie die offiziellen Zahlen.
Die WHO warnt davor, dass die Ebola-Fälle in der Demokratischen Republik Kongo 2-4 Mal höher sein könnten als die offiziellen Zahlen, da Gesundheitspersonal wegen ausstehender Löhne mit Streiks droht.

Eine sich verschärfende Gesundheitskrise
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine eindringliche Warnung hinsichtlich der anhaltenden Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) ausgesprochen und darauf hingewiesen, dass das wahre Ausmaß des Ausbruchs deutlich höher sein könnte als in den offiziellen Berichten angegeben. Während die aktuellen Daten 1.963 Fälle und 719 Todesfälle bestätigen, befürchten Gesundheitsexperten, dass die tatsächliche Zahl der Infektionen zwei- bis viermal höher liegen könnte.
Chikwe Ihekweazu, Exekutivdirektor des WHO-Programms für Gesundheitsnotfälle, erklärte nach einem Besuch in der Region, dass die überwiegende Mehrheit der Todesfälle im familiären Umfeld und nicht in klinischen Einrichtungen auftritt. Dieser Mangel an medizinischer Überwachung in der Endphase der Krankheit führt zu einer massiven Untererfassung der Fälle und verschleiert den wahren Verlauf dessen, was Experten als den sich am schnellsten ausbreitenden Ebola-Ausbruch bezeichnen, der jemals auf dem afrikanischen Kontinent verzeichnet wurde.
Das Epizentrum und der Bundibugyo-Stamm
Die aktuelle Krise, die am 15. Mai begann, markiert die 17. Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo. Anders als frühere Ausbrüche wird dieser Anstieg durch das Bundibugyo-Virus verursacht. Die medizinische Gemeinschaft steht vor einer entscheidenden Hürde: Es gibt derzeit weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische Behandlung für diesen speziellen Virusstamm.
Der Ausbruch konzentriert sich auf den Osten des Kongo, wobei fünf Provinzen betroffen sind, darunter Tshopo und Haut-Uele. Die Provinz Ituri hat sich zum Epizentrum entwickelt und verzeichnet mindestens 384 bestätigte Fälle und 89 Todesfälle. Das Virus hat auch die Grenzen überschritten: Im Nachbarland Uganda wurden 20 Fälle und zwei Todesfälle gemeldet, was die Befürchtung einer umfassenderen regionalen Gesundheitskrise schürt.
Gesundheitspersonal am Rande des Zusammenbruchs
Die Bekämpfungsmaßnahmen werden durch interne Arbeitsunruhen massiv behindert. In Rwampara, einem Gebiet mit hoher Übertragungsrate in der Provinz Ituri, protestieren Gesundheitspersonal und verbrennen Reifen und blockieren Zufahrtsstraßen, um ihre ausstehenden Gehälter zu erbitten. Viele Ärzte berichten, seit Mitte Mai kein Gehalt mehr erhalten zu haben.
„Seit dem 15. Mai behandeln wir Ebola-Patienten ohne Bezahlung. Wir setzen die Behandlung aufgrund unseres Eides fort, arbeiten aber unter sehr schwierigen Bedingungen“, erklärte Dr. Pascal Bahoya. Die Verzweiflung hat einen kritischen Punkt erreicht: Das medizinische Personal hat ein 48-Stunden-Ultimatum gestellt, bevor es in einen „totalen Streik“ eintritt, der die grundlegende Versorgung in den wichtigsten Behandlungszentren lahmlegen würde.
Reaktion der Regierung und internationale Hilfe
Der kongolesische Gesundheitsminister Samuel Roger Kamba räumte die Zahlungsverzögerungen ein und führte sie auf „organisatorische Probleme“ zurück. Die Regierung gibt an, derzeit die Gehaltslisten zu prüfen, um sicherzustellen, dass die Gelder die aktiven Beschäftigten erreichen und um „Phantomnamen“ aus dem System zu entfernen.
Trotz der administrativen Schwierigkeiten ist die internationale Gemeinschaft nicht untätig geblieben. Afrikanische Staaten und internationale Partner haben rund 1,5 Milliarden US-Dollar zur Unterstützung der Gesundheitsmaßnahmen mobilisiert. Derzeit laufen klinische Studien, um zwei potenzielle Behandlungsmethoden zu testen, die in Ermangelung eines Impfstoffs einen Hoffnungsschimmer bieten.
Mitte Juli befanden sich noch 727 Patienten in Behandlungszentren. Die Kombination aus einem schwer fassbaren Virusstamm, untererfassten Todesfällen in der Bevölkerung und einer demoralisierten Belegschaft droht jedoch, die Bemühungen zur Eindämmung des Virus zu untergraben, bevor es sich weiter in der Region ausbreitet.