UN-Generalsekretär warnt vor humanitärer Katastrophe angesichts einer gravierenden Finanzierungslücke des UNRWA
UN-Generalsekretär Antonio Guterres warnt, dass Millionen von Palästinensern aufgrund einer Finanzierungslücke von 100 Millionen Dollar beim UNRWA und restriktiver israelischer Politik gefährdet sind.

Eine ungewisse Zukunft für Millionen
UN-Generalsekretär António Guterres hat eindringlich vor der prekären Lage des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) gewarnt. Auf einer wichtigen Geberkonferenz enthüllte Guterres eine dringende Finanzierungslücke von 100 Millionen US-Dollar und betonte, dass die Sicherheit und das Wohlergehen von Millionen palästinensischer Flüchtlinge derzeit auf dem Spiel stehen. Der UN-Chef hob hervor, dass das Hilfswerk unter extremem Druck stehe und zwischen einer schweren Finanzkrise und erheblichen operativen Einschränkungen gefangen sei.
Verschärfende Krisen in Gaza, Westjordanland und Libanon
Die Finanzierungslücke ist nicht das einzige Hindernis für das Hilfswerk. Guterres hob eine dreifache Bedrohung durch Instabilität in den Einsatzgebieten des UNRWA hervor. Im Gazastreifen seien die Lebensbedingungen als „absolut entsetzlich“ beschrieben worden, und die Bevölkerung stehe vor einem systemischen Zusammenbruch. Gleichzeitig hat die Gewalt israelischer Siedler im besetzten Westjordanland zugenommen, und der Libanon – der vielen palästinensischen Flüchtlingen Zuflucht bietet – wurde von verstärkten israelischen Angriffen erschüttert.
Laut Guterres bringt die Kombination aus weitreichenden, von Israel verhängten Beschränkungen und dem aktuellen Finanzdefizit die Kapazitäten des Hilfswerks an den Rand des Zusammenbruchs und bedroht die Existenz grundlegender Dienstleistungen für 2,6 Millionen Flüchtlinge in Gaza, im Westjordanland, in Ostjerusalem, in Jordanien, im Libanon und in Syrien.
Der politische Krieg gegen die Hilfe: Desinformation und Beschränkungen
Neben dem Finanzdefizit verurteilte der UN-Generalsekretär ein konzertiertes Vorgehen zur Untergrabung des UNRWA durch, wie er es nannte, „Desinformation, Verleumdungskampagnen und diplomatische Blockaden“. Er bezeichnete die Organisation als „stabilisierende Kraft in Zeiten der Instabilität“ und argumentierte, dass Versuche, die Organisation zu delegitimieren, nur die Millionen Menschen gefährden, die auf ihre Schulbildung, Gesundheitsversorgung und sozialen Dienste angewiesen sind.
Die menschlichen Kosten dieses Konflikts sind verheerend. Guterres wies darauf hin, dass seit Oktober 2023 390 UNRWA-Mitarbeiter von israelischen Streitkräften im Gazastreifen getötet wurden, was die extremen Risiken verdeutlicht, denen humanitäre Helfer vor Ort ausgesetzt sind.
Die Auswirkungen der US-Finanzierungskürzungen und -Vorwürfe
Die finanzielle Instabilität verschärfte sich im Januar 2024, als die Vereinigten Staaten, traditionell der größte Geber des UNRWA, ihre Zahlungen einstellten. Dieser Schritt folgte auf israelische Vorwürfe, dass eine kleine Anzahl von UNRWA-Mitarbeitern an den von der Hamas angeführten Angriffen vom 7. Oktober 2023 beteiligt gewesen sei. Während Israel eine weitverbreitete Mittäterschaft behauptete, leitete das Büro für interne Aufsichtsdienste der Vereinten Nationen eine Untersuchung gegen 19 Mitarbeiter ein. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass neun Mitarbeiter „möglicherweise beteiligt waren“, während gegen die übrigen zehn keine oder nur unzureichende Beweise gefunden wurden.
Als Reaktion auf diese Vorwürfe erklärte Guterres, dass das UNRWA entscheidende Schritte unternommen habe, um institutionelle Reformen umzusetzen und die Richtlinien bezüglich der politischen Aktivitäten seiner Mitarbeiter zu aktualisieren, um Neutralität und Transparenz zu gewährleisten.
Internationale Empörung und der Weg nach vorn
Die internationale Gemeinschaft unterstützt das Mandat der Organisation weiterhin weitgehend. Es wurde vor sechs Monaten von der UN-Generalversammlung mit überwältigender Mehrheit verlängert. Ahmet Yildiz, der Ständige Vertreter der Türkei bei den Vereinten Nationen, teilte die Bedenken des Generalsekretärs und erklärte, das UNRWA sei „beispiellosen politischen Angriffen“ ausgesetzt. Yildiz behauptete weiterhin, dass das israelische Vorgehen eklatante Verstöße gegen das Völkerrecht darstelle und darauf abziele, palästinensische Flüchtlinge an der Rückkehr in ihr Land zu hindern. Während die Welt auf die offizielle Bekanntgabe der freiwilligen Beiträge wartet, ist die Botschaft der UN eindeutig: Ohne dringende finanzielle Unterstützung und die Aufhebung der operativen Beschränkungen könnte die humanitäre Infrastruktur, die Millionen der weltweit am stärksten gefährdeten Menschen versorgt, vollständig zusammenbrechen.