Thomas Tuchel gerät unter Beschuss, nachdem Argentinien England in einem dramatischen WM-Halbfinale entthront hat.
Englands Trainer Thomas Tuchel verteidigt seine taktischen Entscheidungen nach einem späten defensiven Einbruch, der zur 2:1-Niederlage im WM-Halbfinale gegen Argentinien führte.

Der Wendepunkt in Atlanta
Nach Anthony Gordons Führungstreffer in der 55. Minute schien England einem sicheren Sieg entgegenzusteuern. Doch in den letzten zehn Minuten wendete sich das Blatt dramatisch. Um die Führung zu sichern, stellte Tuchel auf eine Fünferkette um, wechselte Verteidiger Reece James für Dan Burn aus und brachte in der 82. Minute Nico O’Reilly für Mittelfeldspieler Declan Rice. Die Umstellung, die den Strafraum verdichten und Argentiniens Lufthoheit neutralisieren sollte, ging nach hinten los, da sich das Team zu weit zurückzog.
Messis Meisterleistung
Lionel Messi erwies sich als Architekt von Englands Niederlage. Er nutzte den ihnen gebotenen Raum und leitete eine Aufholjagd ein, die in der 85. Minute mit dem Ausgleichstreffer von Enzo Fernandez aus der Distanz gipfelte. Als Englands Abwehr unter dem anhaltenden Druck zusammenbrach, versetzte Lautaro Martinez in der zweiten Minute der Nachspielzeit den K.o.-Schlag. Sein Kopfballtor versetzte die argentinischen Fans in Ekstase und ließ England erneut vor dem Ausscheiden im Halbfinale stehen.
Tuchel verteidigt seine Taktik
In der Pressekonferenz nach dem Spiel ging ein trotziger Thomas Tuchel auf die Kritik an seinen Aktionen in der Schlussphase ein. „Wir haben zu viele Flanken und Chancen zugelassen, deshalb haben wir auf eine Fünferkette umgestellt, um die Lücken zu schließen“, erklärte Tuchel. „Die Verantwortung liegt beim Trainer, und wenn es nicht gut läuft, ist es leicht zu sagen, es war die falsche Entscheidung.“
Ein Team in Unordnung
Für Stürmer Harry Kane und den Rest der Mannschaft war die Niederlage ein bitterer Beigeschmack. „Wir haben größtenteils ein gutes Spiel gemacht, aber als wir in Führung gingen, haben wir nur noch versucht, den Vorsprung zu halten“, klagte Kane. Während sich Argentinien auf ein hochkarätiges Finale gegen Spanien vorbereitet, muss England über eine verpasste Chance nachdenken, den Ruhm von 1966 zu wiederholen. Für Fans und Experten bleibt die Frage, ob Englands defensive Zaghaftigkeit der entscheidende Fehler in einer ansonsten vielversprechenden Kampagne war.