Spider-Man: Brand New Day – Kritik: Ein visuelles Spektakel ohne erzählerische Substanz
Spider-Man: Brand New Day dominiert die Kinokassen mit rekordverdächtigen Zahlen, aber kann die Geschichte mit dem Spektakel mithalten? Lesen Sie unsere ausführliche Kritik.

Ein Blockbuster-Triumph an den Kinokassen
Der Netzschwinger ist mit einem Paukenschlag auf die große Leinwand zurückgekehrt. Spider-Man: Brand New Day ist nicht einfach nur ein Film; er ist ein globales Kinoereignis. Bei seinem Kinostart in Frankreich übertraf der Film alle Erwartungen und bewies, dass die Begeisterung für Tom Hollands Interpretation von Peter Parker ungebrochen ist. Mit unglaublichen 650.130 Besuchern am Starttag sicherte sich der Film den zehntbesten Kinostart in der Geschichte des französischen Kinos und den drittbesten für einen Sony-Pictures-Film.
Um diese Zahlen einzuordnen: Ein solches Maß an Begeisterung gab es in Frankreich zuletzt 2019 mit Avengers: Endgame und Far From Home. Der Film belegt aktuell den dritten Platz der erfolgreichsten Marvel-Filmstarts in Frankreich, nur übertroffen von den legendären Spider-Man 3 (2007) und Avengers: Endgame (2019), und festigt damit seinen Platz als kommerzieller Erfolg.
Visuelle Meisterschaft und Regie-Flair
Aus technischer Sicht ist Brand New Day ein Triumph. Regisseur Destin Daniel Cretton bringt frischen Wind in die Reihe und liefert ein wahres Spektakel-Meisterwerk. Die Choreografie von Spider-Mans Bewegungen durch die Betonschluchten von New York City ist flüssig und atemberaubend und fängt die Agilität der Figur präzise ein.
Cretton gelingt es, den typischen Humor der Reihe mit Momenten roher, mitreißender Kraft auszubalancieren. Seine innovative Inszenierung und Kameraführung geben einen Einblick in sein Können und lassen die Fans auf seine zukünftigen Projekte hoffen, darunter der mit Spannung erwartete Realfilm Naruto. Wenn die Action ihren Höhepunkt erreicht, ist der Film ein adrenalingeladener Ritt, der den Kinobesuch absolut wert ist.
Die emotionale Lücke: Ein gebrochener Held?
Doch der Film schwächelt im Kern. Nach den erschütternden Ereignissen von Spider-Man: No Way Home erwarteten die Zuschauer einen tiefen Einblick in die gebrochene, isolierte Persönlichkeit von Peter Parker. Während das Marketing eine Studie über Einsamkeit und Wiederaufbau versprach, wirkt die eigentliche Erzählung eher wie ein Übergangsstück als eine Charakterstudie.
Dem Film gelingt es nicht, die wahre emotionale Wucht von Peters Einsamkeit zu vermitteln. Anstatt ein intimes Porträt eines jungen Mannes zu zeichnen, der mit dem Erwachsenwerden und Verlust ringt, wirkt Brand New Day oft, als würde er auf Nummer sicher gehen. Folglich fehlt ihm die rohe emotionale Wucht von Meilensteinen wie The Amazing Spider-Man 2, wodurch dem Publikum eine zwar empathische, aber nicht vollends ausgearbeitete Version von Spider-Man präsentiert wird.
Probleme mit dem Erzähltempo und ein enttäuschendes Finale
Mit einer Laufzeit von 2 Stunden und 25 Minuten leidet der Film unter einer Identitätskrise. Er versucht, zwei unterschiedliche Erzählstränge gleichzeitig zu verfolgen: Peters innere Reise, sein Leben neu aufzubauen, und den äußeren Konflikt mit einem neuen Antagonisten. Leider verflechten sich diese beiden Stränge nur selten effektiv, was zu einer Handlung führt, die sowohl überladen als auch unausgereift wirkt.
Obwohl der Antagonist in der ersten Stunde mit einer beängstigenden Bedrohung eingeführt wird, verfliegt die Spannung im Laufe des Films. Der Spannungsaufbau führt zu einem Höhepunkt, dem es an dem nötigen Schwung mangelt, sodass das Ende im Vergleich zum sorgfältigen Aufbau überhastet wirkt. Obwohl der Film die Bühne für zukünftige Avengers-Filme bereitet, ist die unmittelbare Wirkung für den Zuschauer eher enttäuschend.
Fazit
Spider-Man: Brand New Day ist ein visuelles Fest, das das Versprechen von Action im großen Stil einlöst. Er ist ein Beweis für die anhaltende Popularität der Marke Spider-Man. Indem er jedoch Spektakel über psychologische Tiefe stellt und mit seinem eigenen Erzähltempo zu kämpfen hat, verpasst er die Chance, ein emotional entscheidendes Kapitel in Tom Hollands Geschichte zu werden.