Iran verschärft maritime Spannungen: Hardliner im Parlament fordern iranische Souveränitätskontrolle über die Straße von Hormus
Die Hardliner im iranischen Parlament haben einen neuen Gesetzentwurf zur Formalisierung der Kontrolle über die Straße von Hormus vorgelegt und drohen inmitten des eskalierenden Krieges mit der Blockade von US-amerikanischen und israelischen Schiffen.

Teheran strebt nach totaler maritimer Kontrolle
In einem provokanten Schritt, der eine zunehmende Kluft zum Westen signalisiert, haben iranische Abgeordnete einen weitreichenden Gesetzesvorschlag eingebracht, der die absolute Kontrolle über die Straße von Hormus formalisieren soll. Der Gesetzentwurf mit dem Titel „Strategische Maßnahmen für die Sicherheit und den nachhaltigen Fortschritt der Straße von Hormus und des Persischen Golfs“ wurde eingebracht, nachdem das von Hardlinern dominierte Parlament nach fünf Monaten intensiver militärischer Konfrontation mit den Vereinigten Staaten und Israel wieder zusammengetreten war.
Dieser Gesetzesvorstoß spiegelt die wachsende Tendenz innerhalb des iranischen Parlaments wider, diplomatische Verhandlungen zugunsten einseitiger Souveränität aufzugeben. Während einer kürzlich abgehaltenen, nicht angekündigten Sitzung wurden Abgeordnete dabei beobachtet, wie sie „rote Fahnen der Rache“ schwenkten, die symbolisch für die Entschlossenheit standen, den Tod hochrangiger Beamter und des Obersten Führers während der ersten Wellen des von den USA angeführten Konflikts, der am 28. Februar begann, zu rächen.
Ein harter Kurs im Seerecht
Obwohl der endgültige Text des Gesetzesentwurfs noch nicht veröffentlicht wurde, deuten frühere Entwürfe auf einen drastischen Kurswechsel in Irans Vorgehen bei einem der wichtigsten Energiehäfen der Welt hin. Die vorgeschlagenen Maßnahmen umfassen:
- Strenge Zugangsverbote: Das ausdrückliche Verbot für Schiffe unter US-amerikanischer oder israelischer Flagge, die Straße von Hormus zu befahren.
- Feindliche Einstufung: Die Befugnis, Schiffe von Nationen zu blockieren, die von den iranischen Streitkräften als feindlich gegenüber der „Achse des Widerstands“ eingestuft werden.
- Genehmigungspflicht: Die Verpflichtung für alle Schiffe, offizielle Genehmigungen einzuholen, vollständige Ladungsmanifeste offenzulegen und die Bezeichnung „Persischer Golf“ strikt einzuhalten.
- Finanzielle Strafen: Die Befugnis, bis zu 20 % des Ladungswerts von nicht konformen Schiffen zu beschlagnahmen; die Gelder werden für Militärausgaben und den Wiederaufbau der nationalen Infrastruktur verwendet.
Ebrahim Azizi, Leiter der nationalen Sicherheitskommission, betonte die Strenge dieser Haltung und erklärte, der Gesetzentwurf sei lediglich der „erste Schritt“ einer umfassenderen Reihe von Maßnahmen zur Verteidigung des Irans. Irans „rote Linien“.
Der Streit um den „Wächter“ und globale Energierisiken
Die Spannungen haben sich zu einem verbalen Schlagabtausch darüber entwickelt, wer der legitime „Wächter“ der Wasserstraße ist. US-Präsident Donald Trump behauptete kürzlich, Washington werde als neuer Wächter fungieren und beanspruchte das Recht, eine Gebühr von 20 % auf den Wert der Schiffsladung zu erheben, während er gleichzeitig eine von den USA unterstützte südliche Route nahe Oman propagierte – eine Route, die der Iran kategorisch ablehnt.
Der iranische Außenminister Abbas Araghchi reagierte mit Spott auf den US-Vorschlag und deutete an, dass die USA zwar die Notwendigkeit von Gebühren anerkennen, der Iran – als der „ewige Wächter“ – aber eine „fairere“ Preisstruktur anbieten würde. Zusätzlich zur geopolitischen Instabilität hat Teheran angedeutet, sich mit den Huthi-Rebellen im Jemen abzustimmen, um die Meerenge Bab al-Mandab zu blockieren und damit die globalen Handelswege weiter zu unterbrechen.
Militärische Eskalation und wirtschaftliche Folgen
Der Gesetzesvorschlag erfolgt vor dem Hintergrund einer massiven militärischen Eskalation. Allein in der vergangenen Woche haben US-Streitkräfte Hunderte von Luftangriffen in elf iranischen Provinzen geflogen und dabei vor allem die Hafenstadt Bandar Abbas und strategisch wichtige Inseln in der Nähe der Meerenge ins Visier genommen. Als Vergeltung griffen die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) US-Einrichtungen und militärische Logistik in Bahrain, Kuwait und Jordanien an.
Die Auswirkungen sind bereits an den Finanzmärkten spürbar. Der iranische Rial ist auf fast 1,85 Millionen gegenüber dem US-Dollar gefallen und nähert sich damit seinem historischen Tiefstand. Gleichzeitig verzeichnete die Teheraner Börse erhebliche Verluste, die die Gewinne aus früheren, kurzlebigen Abkommen zunichtemachten. Trotz der Vermittlungsbemühungen von Oman, Katar und Pakistan zur Schaffung eines Rahmens für die Freiheit der Schifffahrt deuten die Wiedereinführung der Seeblockaden durch die USA und die Aufhebung der Ausnahmeregelungen für Ölexporte darauf hin, dass eine friedliche Lösung weiterhin in weiter Ferne liegt.