Der Präsidenten-Sündenbock: Wie Irans herrschende Elite Pezeshkian für den Fall des Scheiterns des US-MoU-Abkommens positioniert.

Analysieren Sie, wie die herrschende Elite Irans Präsident Masoud Pezeshkian als Sündenbock für das Scheitern des US-Iran-Memorandums und die internen Machtkämpfe der Revolutionsgarde benutzt.

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Staff Writer
Veröffentlicht am 13/07/2026 07:46
Der Präsidenten-Sündenbock: Wie Irans herrschende Elite Pezeshkian für den Fall des Scheiterns des US-MoU-Abkommens positioniert.

Ein brüchiger Frieden am Rande

Die geopolitische Lage im Nahen Osten ist durch die Eskalation der von den USA angeführten Militärkampagne gegen den Iran erneut ins Wanken geraten. Jüngste Angriffe der Vereinigten Staaten haben mindestens 18 Todesopfer und Dutzende Verletzte gefordert und werfen einen dunklen Schatten auf den fragilen Friedensprozess. Im Zentrum dieser Spannungen steht das Memorandum of Understanding (MoU), ein wichtiges Rahmenabkommen zwischen Washington und Teheran, das den Weg für langfristige Stabilität ebnen sollte. Doch während das Abkommen am Rande des Scheiterns steht, entfaltet sich in den Machtzentren Teherans ein raffiniertes innenpolitisches Spiel.

Die Architektur der kalkulierten Schuldzuweisung

Nach der eskalierenden Gewalt hat die iranische Führung begonnen, die öffentliche und institutionelle Wut strategisch umzulenken. Obwohl das MoU eine kollektive Entscheidung des Staates war, wird Präsident Masoud Pezeshkian in der offiziellen Rhetorik zunehmend als Hauptverantwortlicher für das Scheitern isoliert. Dies ist kein Zufall, sondern ein kalkuliertes Schuldzuweisungsspiel, das die wahren Machthaber des Regimes schützen soll.

Der Plan für diese Strategie wurde vom Obersten Führer Mujtaba Khamenei offengelegt. In einer öffentlichen Erklärung merkte der Oberste Führer an, er habe eine „andere Sicht“ auf das Abkommen und behauptete, er habe dem Deal nur zugestimmt, weil Präsident Pezeshkian in seiner Funktion als Vorsitzender des Obersten Nationalen Sicherheitsrates „ausdrücklich die Verantwortung dafür übernommen“ habe. Indem er die Absichtserklärung als persönliche Verpflichtung des Präsidenten darstellte, hat der Oberste Führer faktisch eine politische Trennlinie zwischen dem Präsidentenamt und dem Kern der revolutionären Führung gezogen.

Die verborgene Hand: Ghalibaf und der militärisch-bonyadische Komplex

Ein auffälliges Detail in dieser Darstellung ist die eklatante Abwesenheit von Mohammad Bagher Ghalibaf. Als Parlamentspräsident und faktischer Leiter des Verhandlungsteams war Ghalibaf die treibende Kraft hinter dem Abkommen. Obwohl Außenminister Abbas Araghchi bestätigte, dass das „Nezam“ (das System) Ghalibaf mit den Verhandlungen betraut hatte, fehlt sein Name auf der Liste der Verantwortlichen des Obersten Führers. Diese Auslassung unterstreicht die Dominanz des „militärisch-bonyadischen Komplexes“ – einer mächtigen Verschmelzung der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC), der staatlichen Sicherheitskräfte und einflussreicher religiöser Stiftungen (Bonyads) wie der Mostazafan-Stiftung. Dieses Netzwerk kontrolliert den Großteil der iranischen Wirtschaft und operiert praktisch ohne zivile Aufsicht. Innerhalb dieses Komplexes ist ein tiefer struktureller Bruch entstanden:

  • Der technokratische Flügel: Unter der Führung von Ghalibaf argumentiert diese Fraktion, dass wirtschaftliche Erholung und die Integration in das globale Kapital für das Überleben des Regimes unerlässlich seien.
  • Der ideologische Flügel: Vertreten durch die Paydari-Front, betrachtet diese Gruppe jedes Zugeständnis an die USA als Verrat und sieht ausländische Investitionen – insbesondere den vorgeschlagenen 300-Milliarden-Dollar-Wiederaufbau- und Entwicklungsfonds – als trojanisches Pferd für westliche Einflussnahme.

Die Präsidentschaft als „Notbremse“

Der Aufstieg von Präsident Pezeshkian zur Macht im Jahr 2024 basierte nicht auf seiner politischen Stärke, sondern auf dessen Mangel. Anders als seine Vorgänger – wie Rafsanjani oder Rouhani, die über weitreichende, unabhängige Netzwerke verfügten – wurde Pezeshkian als gefügiges, gemäßigtes Gesicht positioniert, um die unruhige Öffentlichkeit zu beschwichtigen, ohne die Autorität des militärisch-bonyadischen Komplexes zu gefährden.

Im Wesentlichen wurde das iranische Präsidentenamt zu einem politischen „Notbremse“ umgestaltet. Es ist ein Amt, das eingerichtet wurde, um den öffentlichen Zorn und das politische Scheitern einer Politik aufzufangen, sollte diese jedoch Erfolg haben, und das vollständig umgangen wird. Pezeshkian ist der ideale Unterzeichner für Risiken, die er nicht selbst verursacht hat, und dient als Puffer für die Revolutionsgarden und den Obersten Führer.

Fazit: Eine Verzögerung der Krise

Derzeit gewährt die herrschende Elite Pezeshkian gerade so viel Schutz, dass die Vereinbarung weiterhin funktioniert. Dies ist jedoch eher taktische Aufrechterhaltung als echte Unterstützung. Sobald das Abkommen vollständig zusammenbricht, verschwindet der Schutz, und der Präsident wird als alleiniger Versager dastehen.

Die Suche nach einem Sündenbock mag zwar vorübergehend einen offenen Konflikt zwischen den Technokraten und den Ideologen innerhalb des herrschenden Blocks verhindern, löst aber nicht den grundlegenden Widerspruch in Irans Überlebensstrategie. Die Spannung zwischen wirtschaftlichem Pragmatismus und ideologischem Maximalismus bleibt bestehen, und sobald der gegenwärtige Sündenbock gefunden ist, beginnt der eigentliche Kampf um die Zukunft der Islamischen Republik.

Quelle: www.aljazeera.com

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