Oberster Gerichtshof kippt 90 Jahre altes Präzedenzurteil: Trump erhält Befugnis zur Entlassung unabhängiger Behördenleiter

Der Oberste Gerichtshof der USA kippte im Fall Trump gegen Slaughter eine 90 Jahre alte Rechtsprechung und gab dem Präsidenten die Befugnis, unabhängige Behördenleiter zu entlassen, was Befürchtungen über einen Machtmissbrauch der Exekutive auslöste.

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Staff Writer
Veröffentlicht am 30/06/2026 12:53
Oberster Gerichtshof kippt 90 Jahre altes Präzedenzurteil: Trump erhält Befugnis zur Entlassung unabhängiger Behördenleiter

Ein seismischer Machtwechsel

In einer Entscheidung, die die amerikanische Rechts- und Politiklandschaft erschüttert hat, urteilte der Oberste Gerichtshof der USA im Fall Trump gegen Slaughter, dass der Präsident die Befugnis besitzt, die Leiter unabhängiger Behörden und Kommissionen zu entlassen. Dieses wegweisende Urteil setzt fast ein Jahrhundert etablierten Verfassungsrechts außer Kraft und verleiht Donald Trump – und jedem zukünftigen Präsidenten – beispiellose Kontrolle über die Bundesbürokratie.

Das Urteil markiert einen dramatischen Bruch mit den rechtlichen Schutzmechanismen, die Regulierungsbehörden bisher vor direkter politischer Einflussnahme bewahrten. Während Donald Trump das Ergebnis auf Truth Social als „großen Sieg“ feierte, löste die Entscheidung umgehend Proteste von Gewerkschaften, Verfassungsrechtlern und Verbraucherschutzorganisationen aus, die den Beginn einer auf Loyalität basierenden Regierung befürchten.

Das Ende der Ära von „Humphrey’s Executor“

Neunzig Jahre lang galt der Präzedenzfall „Humphrey’s Executor“ (1935) als maßgeblich. Dieser Fall, der auf Franklin D. Roosevelts Versuch zurückging, einen republikanischen Kommissar der Federal Trade Commission (FTC) zu entlassen, legte fest, dass der Präsident keine „unbegrenzte Entlassungsbefugnis“ besitzt. Ziel war es, sicherzustellen, dass Behörden, die für wichtige wirtschaftliche und soziale Regulierungen zuständig sind, integer und unabhängig agieren können, frei von den Launen des Weißen Hauses.

Durch die Aufhebung dieses Präzedenzfalls hat der Oberste Gerichtshof im Wesentlichen ein System unabhängiger Aufsicht durch einen sogenannten „Loyalitätstest“ ersetzt. Gary DiBianco, Mitbegründer von Lawyers for Good Government, merkte an, dass die Entscheidung etablierte verfassungsrechtliche Auffassung missachtet und es der Exekutive ermöglicht, unzulässigen Druck auf Behörden auszuüben, die der Kongress ausdrücklich als unabhängig konzipiert hat.

Die menschlichen Kosten: Der Fall Rebecca Slaughter

Auslöser für dieses Urteil war die Entlassung von Rebecca Slaughter, einer ehemaligen Kommissarin der Federal Trade Commission. Slaughter wurde im März entlassen, ein Schritt, den sie als rein politisch motiviert bezeichnet. In einer kürzlich abgehaltenen Pressekonferenz äußerte Slaughter tiefe Enttäuschung und erklärte, sie sei ins Visier genommen worden, weil sie eine Stimme besaß, die die Regierung fürchtete.

Slaughter war nicht die Einzige. Die Trump-Regierung hat unabhängige Gremien massiv gesäubert und mehrere hochrangige Führungskräfte entlassen, darunter:

  • Gwynne Wilcox: Die erste schwarze Frau im National Labor Relations Board.
  • Susan Tsui Grundmann: Vorstandsmitglied der Federal Labor Relations Authority (FLRA).
  • Erika McEntarfer: Leiterin des Bureau of Labor Statistics.
  • Deirdre Hamilton: Mitglied des National Mediation Board.
  • Alvaro Bedoya: Ein weiterer demokratischer Kommissar der FTC.

In den meisten Fällen nannte die Regierung keine konkreten Gründe für die Entlassungen, außer dass die Tätigkeit der Beamten „nicht mit den Prioritäten der Regierung vereinbar“ gewesen sei.

Rechtsexperten warnen vor „autoritären“ Folgen

Die Juristenwelt hat alarmiert reagiert. Stephen Vladeck, Professor an der Georgetown Law School, bezeichnete das Urteil als weitreichend für die Funktionsweise der US-Regierung, auch lange nach dem Ende der Amtszeit der aktuellen Regierung. Er betonte, dies sei ein historischer Sieg für die Exekutivgewalt, der über eine einzelne Präsidentschaft hinausreiche. Rachel Rossi, Präsidentin der Alliance for Justice, formulierte es deutlicher: „Dem autoritären Präsidenten wurden gerade die Schlüssel zu noch mehr Autoritarismus übergeben.“ Auch Michael Sozan vom Center for American Progress warnte, die Aushöhlung dieser Schutzmechanismen gefährde Millionen Amerikaner, da der Schutz vor Korruption und unlauterer politischer Einflussnahme entfalle. Eine Ausnahme: Die Federal Reserve. Bemerkenswerterweise räumte der Oberste Gerichtshof dem Präsidenten keine uneingeschränkte Befugnis über alle Institutionen ein. In einem separaten Urteil blockierte das Gericht Trumps Versuch, das Vorstandsmitglied der Federal Reserve, Lisa Cook, zu entlassen. Das Gericht stellte klar, dass die Federal Reserve anders behandelt wird als andere Regierungsbehörden. Dadurch wird ein gewisser Schutz der Zentralbank gewahrt, um zu verhindern, dass politische Instabilität die Wirtschaft destabilisiert.

Abweichende Meinung: Richterin Sonia Sotomayor

Richterin Sonia Sotomayor verfasste eine vernichtende abweichende Meinung und bezeichnete die Entscheidung der Mehrheit als „eklatant falsch“. Sie argumentierte, das Gericht habe die Regierungsstruktur verzerrt, um sie einer Theorie der „einheitlichen, totalen Exekutivkontrolle“ anzupassen, und sagte voraus, dass dieser Schritt „nur Chaos“ über das demokratische System der Vereinigten Staaten bringen werde.

Quelle: www.theguardian.com
Tags: #US Politics #Donald Trump #US Supreme Court #Constitutional Law #Executive Power #Federal Trade Commission #Administrative Law

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