Der fatale Preis der „souveränen Geburt“: Wie die wissenschaftsfeindliche Ideologie der Free Birth Society zu einer mütterlichen Tragödie führte
Eine Untersuchung zum Tod von Stacey Warnecke deckt die gefährlichen wissenschaftsfeindlichen Ideologien der Free Birth Society und die Risiken unlizenzierter Geburtshelfer auf.

Die Illusion von Sicherheit in der Welt der „Souveränen Geburt“
Jahrelang behauptete Emilee Saldaya, Gründerin der millionenschweren Free Birth Society (FBS), vehement: Müttersterblichkeit komme in der Bewegung der „Souveränen Geburt“ schlichtweg nicht vor. In einem Podcast-Interview im Dezember 2024 erklärte Saldaya kühn: „In der Welt der „Souveränen Geburt“ verlieren wir keine Mütter.“ Eine tragische Verkettung von Ereignissen in Melbourne hat diese Darstellung jedoch infrage gestellt und nahegelegt, dass die Ablehnung der medizinischen Wissenschaft durch die Bewegung einen tödlichen Preis haben kann.
Stacey Warnecke, eine 30-jährige Ernährungsberaterin und Wellness-Influencerin, wurde unter genau diesen Ideologien zum ersten Mal Mutter. Ihre Geschichte endete tragisch, als sie nach einer „freien Geburt“ an den Folgen einer massiven Nachblutung starb. Der Vorfall hat eine eingehende Untersuchung der Praktiken von sogenannten „Geburtsbegleiterinnen“ und der gefährlichen Falschinformationen der Free Birth Society ausgelöst.
Der Aufstieg der „Radikalen Geburtsbegleiterin“
Die Untersuchung ergab, dass Warnecke 6.000 australische Dollar an Emily Lal, eine ehemalige Angestellte der Versicherungsbranche ohne medizinische Qualifikation, gezahlt hatte, damit diese als ihre „Geburtsbegleiterin“ fungierte. Dieser Begriff ist ein Eckpfeiler der Marke der Free Birth Society und wurde von Saldaya und ihrer Partnerin Yolande Norris-Clark entwickelt, um die gesetzlichen Beschränkungen für die Ausübung der Hebammentätigkeit ohne Lizenz zu umgehen. Saldaya lehrte ihre Schülerinnen ausdrücklich, dass der Begriff „Radikale Geburtsbegleiterin“ ein Mittel sei, um „ungerechte Gesetze“ zu umgehen und im Wesentlichen als „authentische Hebammen“ zu agieren, während man sich rechtlich lediglich als „Freundinnen“ ausgibt.
Lal wurde an der Radical Birth Keeper School, einem dreimonatigen Zoom-basierten Programm, ausgebildet. Experten, die die Kursmaterialien begutachteten, bezeichneten sie als „ignorant und lebensgefährlich“. Sie merkten an, dass der Lehrplan die Existenz bakterieller Infektionen ignoriert und lebensbedrohliche Komplikationen als bloße „Abweichungen vom Normalen“ abtut. Einige Dozenten stellten sogar die fundamentalen Gesetze der Schwerkraft und die Form der Erde infrage und verwebten so unwissenschaftliche Überzeugungen mit dem Ziel, über soziale Medien eine Marke aufzubauen.
Ein fatales Bekenntnis zur „Autonomie“
Ein zentraler Pfeiler der FBS-Philosophie ist eine extreme Interpretation der mütterlichen Autonomie. Den Studentinnen wird beigebracht, dass das Recht einer Frau, medizinische Hilfe abzulehnen, absolut ist, selbst wenn diese Entscheidung zu ihrem Tod oder dem Tod ihres Neugeborenen führt. Saldaya beschrieb das Rufen des Notrufs ohne die ausdrückliche Erlaubnis der Mutter als „absurde Idee“, die ihr „zum Erbrechen“ bringe.
Diese Ideologie wurde während Warneckes Geburt auf die Probe gestellt. Als Warnecke aufgrund einer massiven Nachblutung stark zu verbluten begann, fragte Lal sie zweimal, ob sie einen Krankenwagen wolle. Gemäß der Doktrin der FBS (Female Blood Society) der absoluten Autonomie rief Lal keine Hilfe, als Warnecke zunächst ablehnte. Bis schließlich beim dritten Mal ein Krankenwagen gerufen wurde, hatte Warnecke bereits etwa eine halbe Stunde geblutet.
Die medizinischen Sachverständigen, die bei der gerichtlichen Untersuchung aussagten, waren sich einig: Der Zustand wäre behandelbar und vermeidbar gewesen, hätte Warnecke umgehend medizinische Hilfe erhalten. Trotz der Bemühungen des Krankenhauspersonals, das den gesamten Vorrat ihrer Blutgruppe aufbrauchte und eine Notfall-Hysterektomie durchführte, erlitt Warnecke einen Herzstillstand und verstarb.
Ein Muster vermeidbarer Tragödien
Der Tod von Stacey Warnecke ist kein Einzelfall von Schäden im Zusammenhang mit dem FBS-Netzwerk. Eine einjährige Untersuchung des Guardian identifizierte 48 Fälle von Spättodgeburten, Neugeborenentodesfällen oder schweren Schäden, an denen Personen mit Verbindungen zu dieser Gesellschaft in den USA, Kanada, Europa und Australien beteiligt waren. Emily Lal war 2022 selbst in eine weitere Tragödie verwickelt, die „Baby E.“ betraf. Obwohl Lal bei der Geburt nicht anwesend war, stellte sie das Geburtsbecken zur Verfügung und sprach mit den Eltern, nachdem das Baby aufgehört hatte zu atmen. Ein Gerichtsmediziner stellte später fest, dass der Tod des Säuglings vermeidbar gewesen wäre. Trotzdem begleitete Lal weiterhin Geburten und beharrte darauf, dass freie Geburten die „sicherste Option“ seien. Die Folgen und rechtlichen Konsequenzen: Die Folgen von Warneckes Tod waren von ungewöhnlichem Verhalten geprägt. Die Polizei berichtete, dass Lal den Geburtsort so gründlich gereinigt hatte, dass der Raum nicht wiederzuerkennen war. Sie hatte sogar den blutbefleckten Teppich aus dem Haus entfernt, um den Ehemann vor dem Anblick des Geschehens zu bewahren. Derzeit hat der Gesundheitsbeauftragte des Bundesstaates Victoria Lal bis zum Abschluss der laufenden Ermittlungen von der Erbringung und Bewerbung von Gesundheitsdienstleistungen suspendiert. Für Lal bedeutete das traumatische Erlebnis, den Tod einer Klientin mitzuerleben, das Ende ihrer Karriere als Geburtsbegleiterin. Die ideologische Maschinerie der Free Birth Society läuft jedoch weiter, wobei die Gründerinnen Saldaya und Norris-Clark kritische Berichterstattung als „Propaganda“ abtun und ihre Arbeit als „Evangelium der Selbstverantwortung“ darstellen.